Neuseeland – Willkommen in der God Zone

„Willkommen in der God Zone“ – Ich glaube das war einer der ersten Sätze in meinem Reiseführer zu Neuseeland. God Zone ist abgekürzt von God’s own country. Und wenn mann durch diese unglaubliche Landschaft fährt, kann man sich den Garten Eden genau so vorstellen (mit etwas weniger Regen und ohne Sandmücken vielleicht! 😉 ).

traumhafte Landschaft überall
Nachdem ich erst nachts in meiner Unterkunft in Christchurch angekommen bin, wurde ich am nächsten Morgen mit strahlendem Sonnenschein begrüßt. Da die Fahrt zum Lake Tekapo nicht allzu lang sein würde, bin ich am vormittag durch das Zentrum von Christchurch spatziert.

kleine Seitenstraße im Zentrum von Christchurch
Man sieht noch sehr deutlich die Spuren, die das schwere Erdbeben 2011 hier hinterlassen hat. Die Kathedrale liegt mehr oder weniger in Trümmern und an vielen Stellen wird neu gebaut. Andere Ecken sind verschont geblieben, wie diese kleine Gasse oben im Bild oder die Cathedral Junction. Dort ist die Endhaltestelle der kleinen Straßenbahn, die sehr den Cable Cars in San Francisco ähnelt und mit der Touristen sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen lassen können.

Gegen Mittag bin ich dann aufgebrochen Richtung Lake Tekapo. Zum Glück ist Christchurch ein beschauliches Städchen und so konnte ich mich recht gut an den Linksverkehr gewöhnen. Es ist tatsächlich einfacher, wenn man auf der richtigen Seite sitzt (also der falschen). Nur das blinken gestaltete sich schwierig, da Scheibenwischer & Blinkerhebel auf der jeweils anderen Seite sind als bei uns. Ansonsten besteht die größte Gefahr im neuseeländischen Straßenverkehr dadurch, sich von der wunderschönen Landschaft ablenken zu lassen!

Der Lake Tekapo behält seine türkise Farbe auch bei schlechtem Wetter
Lake Tekapo ist landschaftlich sehr schön und sieht mit seinem türkisen Wasser faszinierend aus. Ich hatte den Stopp vor allem wegen des Mount John Observatorium geplant. Man kann tatsächlich bei abendlichen Touren durch die Teleskope in den Sternenhimmel schauen und sich von den Wissenschaftlern vor Ort ihre Arbeit erklären lassen. Nachdem der Nachmittag verregnet war, klarte es am Abend wieder auf, so dass ich hoffnungsvoll die (nicht ganz günstige) Tour gebucht habe. Leider machte uns der heftige Wind einen Strich durch die Rechnung und der Bus mit unserer kleinen Touristengruppe musste unverrichteter Dinge wieder zurück fahren. (Natürlich bekamen alle ihr Geld zurück, aber schade war es schon!)

Kleine Kapelle am Lake Tekapo
Der nächste Morgen war wieder sehr klar und sonnig, aber auch sehr kalt. Über Nacht hatte es auf den Bergen sogar geschneit. Da die knapp 500 km ins Fiordland ihre Zeit brauchen, bin ich recht früh los. Landschaftlich ist die Fahrt von Lake Tekapo nach Te Anao sehr reizvoll und man kommt aus einer eher kargen Bergregion mit Alpiner Kulisse in üppge Täler mit viel Wald und vor allem Schaf- und Kuhweiden. Kurz hinter Lake Tekapo liegt der Lake Pukaki, von dem aus ich einen guten Blick auf den Mount Cook hatte, den höchsten Berg in Neuseeland.

Mount Cook (der mit den Wolken vor der Spitze)
Bisher hatte ich immer Glück bei meinen Unterkünften, aber in Te Anao habe ich bisher die beste gehabt. Donna hatte ja schon im Vorfeld für mich die ganzen Bootstouren organisiert. Sie und ihr Mann Mike sind sehr herzlich und beim Zimmer passte auch einfach alles.

Ob Donna meinen Twitter Account kannte?
Te Anao liegt am gleichnamigen See und ist Ausgangspunkt für viele Touren und lebt in erster Linie vom Tourismus. Es gibt kein hübsches Stadtzentrum, aber häßlich ist es auch nicht und die schöne Seepromenade entschädigt für alles. Vor allem, wenn man ein solch unglaubliches Farbenspiel präsentiert bekommt, wie ich an meinem ersten Abend hier:

Mein erster Bootstrip ging zum Doubtful Sound und startete von Manapouri aus. Man fähr erst über den gleichnamigen See bis zum Manapouri Kraftwerk. Dann geht es per Bus durch einen gemäßigten Regenwald über den Wilmot Pass zum Deep Cove, wo man das Boot besteigt, welches einen den Fjord hinaus fährt.

Noch sieht man etwas blauen Himmel zwischen den Wolken am Lake Manapouri
Ab dem Kraftwerk regnete es mehr oder weniger ununterbrochen, allerdings machte das wesentlich weniger aus, als ich gedacht hatte. Gerade die Fahrt duch den Wald hatte etwas. Im Regen ist ein Regenwald halt in seiner natürlichen Umgebung 😉 .

Wasser kommt hier auch gerne in Form von Wasserfällen vor
Einzig der Seegang am Ausgang des Fjords war etwas ruppig. Seelöwen haben wir aber dennoch gesehen, leider keine Pinguine, die es hier auch geben soll. Auf dem Schiff habe ich mich sehr nett mit zwei Damen aus Kansas unterhalten, beide im Ruhestand und auf großer Tour durch Australien und Neuseeland.

Auch bei Regen ist die Fahrt auf dem Doubtful Sound ein Erlebnis!
Am nächsten Tag stand nur ein kleiner Ausflug auf dem Programm, allerdings hatte ich am Morgen, als ich aus dem Fenster sah erst Bedenken, ob der Trip auch stattfinden würde: es hatte die Nacht geschneit und selbst am See lagen 2-3 Zentimeter. Zum Glück taute alles schnell weg und wir konnten planmäßig los. Nur die Touren zum Milford Sound konnten wegen gesperrter Straßen erst wieder ab Mittag stattfinden.

Ich habe doch keinen Skiurlaub gebucht, oder?
Zur Glühwürmchenhöhle geht es über den Lake Te Anao. Um 10 hatte es bereits aufgeklart, die Sonne schien und der Schnee taute in Rekordzeit. Dennoch habe ich mir morgens noch schnell Mütze und Handschuhe besorgt (die Handschuhe aus Opossumfell, sehr weich und warm! Opossums werden hier gejagt, weil sie eingeschleppt sind und die hier vorkommenden Arten gefährden. Sie befinden sich sorgar auf der ein oder anderen Speisekarte und das Fell wird auch zusammen mit Merinowolle verarbeitet.)

Landeplatz an der Glühwürmchenhöhle
Die Höhle liegt an einer Flussmündung und der Fluss ist es auch, der die Höhle aus dem weichen Kalkstein herauswäscht. Man geht etwa 200 Meter am Fluss entlang inklusive zweier Wasserfälle. Dann steigt man in ein kleines Boot und wird in absoluter Dunkelheit über einen kleinen See gezogen. So kann man am besten die kleinen Glühwürmchen betrachten, die ihre kleinen Fangketten von der Decke hängen lassen und mit ihrem Licht die Beute anlocken. Logischerweise darf man dort keine Fotos machen, aber zum Glück gibt es ja YouTube!

Geduldige Möwen, die auf Pastetenreste hoffen
Mittags war ich schon wieder in Te Anao und habe in der warmen Sonne Mittag gemacht mit „Miles Better Pies„, die Schlange vor dem Laden war lang und das aus gutem Grund. Lecker!

Nachmittags habe ich noch den Takahe im Te Anao Bird Sanctuary besucht und ein paar seiner bedrohten Kollegen.

Einer der Takahe in der Vogelschutzstation in Te Anao
Dort ist auch ein Zugang zum Kepler Track, einem sehr beliebten Wanderweg auf dem man gerne auch ein paar Tage verbringen kann. Ich habe mir allerdings nur eine Hängebrücke am Fluss (Waiau River) angesehen (tatsächlich einer der Schauplätze, wo der „Herr der Ringe“ gedreht wurde. Man kann ihm hier wohl nicht entkommen 😉 .

Spätestens im Milford Sound versteht man dann den Ausdruck God Zone so richtig! Ich bin so froh, dass ich die Bootstour mit Übernachtung gebucht hatte, auch wenn das nicht ganz so günstig war. Es hat sich gelohnt! Wobei wir aber auch wahnsinniges Glück mit allem hatten, dem Wetter und der Tierwelt, die sich uns in bester Naturdokumentationsmanier präsentierte.

Los ging es Mittags von Te Anao mit unserem Busfahrer Cameron. Nicht nur, dass er uns bequem zum Milford Sound gebracht hat, unterwegs erzählte er noch viele, interesssante Details zu Neuseelands Natur oder Geschichte und legte für die Fotografieverrückten unter uns auch diverse Fotostopps ein. Bei einem Halt stellte er uns dem einzigen Bergpapagei der Welt, dem Kea vor, der sich neugierig daran machte, die Bustür auseinander zu nehmen und anscheinend auch mit dem Gedanken spielte, uns zu begleiten.

Ob diese Touristengruppe spannender ist, als die letzte? Kea-Unterhaltungsprogramm!
Das Wetter hatte sich zum Glück soweit wieder gebessert, dass sich Sonne und Regen abwechselten und auch kein weiterer Schneefall den Weg zum Milford Sound versperrte. Wenn man vor dem Tunnel auf dem höchsten Punkt der Passstraße steht, kann man sich vorstellen, dass eine Bustour bei Schnee keine gute Idee ist.

Im Schnee möchte man da nicht hinauf oder herunter müssen
Hinter dem Tunnel beginnt so langsam der Fjord mit unglaublichen Panoramen und Ausblicken. Eigentlich hätten wir an jeder Kurve anhalten können. Aber Cameron hat schon darauf geachtet, dass wir zumindest die Highlights für die Nachwelt festhalten konnten.

Unser Boot hieß die Milford Wanderer. Da ich von der Seefahrt leider herzlich wenig Ahnung habe, kann ich nicht sagen, was für eine Art Boot sie ist, aber mit ihren zwei Masten sah sie sehr hübsch aus. Ich hatte unglaubliches Glück und die Doppelkabine entpuppte sich aufgrund eines nicht voll ausgebuchten Schiffes als Einzel. Ein wahrer Luxustrip konnte beginnen!

Noch im Sprühregen legten wir ab und fuhren an diversen Wasserfällen vorbei in eine kleine geschützte Bucht, in der wir vor Anker gingen. Bei aufklarendem Himmel durften die Mutigeren in Kayaks das Gelände unsicher machen, der Rest wurde in einem kleinen Beiboot um die Bucht gefahren. (Ratet, in welcher Gruppe ich war ;-)) Auf dem Rückweg enteckten wir dann unsere ersten Fiordland Pinguine!

Fiordland Pinguine
Abends gab es ein hervoragendes Dinner und nach einigen Bieren, vielen netten Unterhaltungen und kleinen Ausflügen aufs Oberdeck, um den Sternenhimmel zu bewundern, zog man sich für die Nacht zurück.

Gemütlich war es auf der Wanderer!
Frühstück wurde um 7 Uhr serviert und kurz danach ging es weiter, Richtung Fjordmündung. Das Wetter war bilderbuchreif und schon kurz vor der Mündung sichteten wir die erste von insgesamt zwei Gruppen (Schulen?) Delfine!

Delfine! und ganz schön viele.
Auf dem Rückweg passierten wir Steilwände, einen beeindruckenden Wasserfall und eine kleine Gruppe junger Seelöwen, die auf einem Felsen die ersten Sonnenstrahlen genossen. Nicht nur wir waren begeistert, auch die Crew genoss das Schauspiel sichtlich. Gegen 9:30 legten wir wieder in Milford an, für unseren Geschmack natürlich viel zu früh! 😉

Seelöwen, die die ersten Sonnenstrahlen genossen
Cameron nahm uns wieder in Empfang und brachte uns zurück nach Te Anau, nicht ohne uns unterwegs die Mount Cook Lilie oder den Neuseeländischen Pfefferbaum zu zeigen. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, was diese letzten 24 Stunden noch toppen kann, das war auf jeden Fall das Highlight meines Urlaubes bisher!

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2 Gedanken zu “Neuseeland – Willkommen in der God Zone

  1. Da werd ich doch echt neidisch. Und will da jetzt so fort hin um dem gotländischen Nieselregen zu entgehen.
    Freue mich auf weitere Berichte von dir.

  2. Sehr schöne Bilder! 💙 Ich wünsch dir noch eine ganz tolle Zeit da unten .. und freue mich, wenn du bald zurück kommst. 😜 Alaaf aus Köln!

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